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DAS "NEIN" DER IREN - 17.06.2008
 

Ohne Zweifel sind die meisten Iren gegenüber Europa positiv eingestellt. Das gilt auch für jene, welche den Lissabonner Vertrag am 12.Juni 2008 abgelehnt haben.
Jetzt erlebt man viele verschiedene Reaktionen auf das Nein der Iren. Man hört das Wort von der Undankbarkeit, da Irland sich doch durch die Mittel der europäischen Union von einem Armenhaus zu einem wohlhabenden Land verwandelt habe. Manche Politiker sagen, daß nicht das Nein eines kleinen Landes das große Vorhaben der Union zu Fall bringen sollte. Es gibt Überlegungen, die Iren durch eine Nachbesserung noch zur Annahme zu bewegen, oder daß Irland für eine Zeit den europäischen Integrationsprozess aussetzen solle, um nur einige Vorschläge zu benennen.

Sicher gibt es viele Gründe, die zu diesem Nein geführt haben. Unkenntnis des Vertragswerkes, das Gefühl, von den größeren Nationen an den Rand gedrückt und damit bedeutungslos zu werden, die eigene Identität mehr und mehr zu verlieren und andere Befürchtungen ....

Zur europäischen Vereinigung gibt es wohl keine wirkliche Alternative und sie ist auch wünschenswert! Das denken sicher die meisten Bürger in Europa. Aber warum war es in allen drei Fällen einer Volksbefragung so, daß das Vorhaben abgelehnt wurde? Welches Europa wollen die Menschen oder welches wollen sie nicht?

Manche Gründe für die Ablehnung der Iren gehen wohl sehr viel tiefer! Europa scheint keine wirkliche seelische Beheimatung anzubieten, die aber der Mensch zum Leben braucht.

Aber was könnte denn die tiefere Heimat Europas sein, das gemeinsame Band? Gerne spricht man in Europa von einer Wertegemeinschaft. Aber ist das denn tatsächlich (noch) so? Die großen universalen Werte dieses Kontinents erwachsen in der Regel dem jüdisch-christlichen Erbe. Jedoch ist es genau dieses Erbe, welches mehr und mehr aufgegeben wird. Europa ist auf dem Weg, seine christliche Identität abzustreifen! Es waren lediglich sieben Länder - darunter auch Irland - welche den Gottesbezug in der europäischen Verfassung und den Hinweis auf das christliche Erbe niedergelegt wissen wollten! Sie haben weder in der abgelehnten Verfassung Gehör gefunden, noch in dem jetzigen Vertrag von Lissabon.

Es ist bekannt, daß die Ablehnung des Lissabonner Vertrages bei gläubigen Menschen in Irland auch deshalb geschah, weil sie befürchteten, daß sie das Verbot der Abtreibung, welches in ihrem Land existiert, auf die Dauer nicht in der europäischen Union aufrechterhalten können. Sie sehen, daß die weitaus meisten europäischen Staaten das Lebensrecht der ungeborenen Kinder nicht mehr zu schützen wissen und damit zutiefst gegen die Werteordnung Europas verstoßen. Unter den "Neinsagern" wird es Menschen geben, die den politisch-geistigen Kurs, welchen Europa eingeschlagen hat mit großem Argwohn betrachten: Experimente mit Stammzellen, der Versuch homosexuelle Lebensformen der Familie gleichzustellen, die ersten Wahrnehmungen, daß gläubige Christen in eine fundamentalistische Ecke gedrängt werden, den Versuch, den Bezug zu Gott zu einer Privatangelegenheit zu degradieren... All dies ist nicht dazu geeignet, Vertrauen in eine positive Zukunft Europas zu vermitteln. Vielmehr sehen diese Menschen die dunklen Wolken einer "Diktatur des Relativismus" herannahen.

Und es ist wahr! Ein Europa, welches sich mehr und mehr von Gott entfernt, kann keine Heimat geben. Es wird zu einem seelenlosen Gebilde, zu einem bürokratischen Werk. Das spüren die Menschen und nicht selten auch jene, die keiner Glaubensrichtung angehören. Sie merken, daß etwas "nicht stimmt"! Es entsteht ein Unbehagen an dem geistigen Weg Europas!

Was wäre zu tun?

Die großen Nationen Europas sollten dem Wunsch jener sieben Länder entsprechen und den Gottesbezug, sowie das christliche Erbe in einer europäischen Verfassung aufnehmen. Dadurch wird niemand diskriminiert, sondern es entspricht schlicht der historischen und geistigen Wirklichkeit Europas. Das könnte helfen, einen tieferen Reflektionsprozess einzuleiten. Dabei darf man die Augen nicht vor jenen falschen und verheerenden Entwicklungen verschließen, die Europa seelisch erkalten lassen und geistig verwirren.
Hier wäre besonders die Stimme der Kirche gefragt, die Politiker in einem solchen Bemühen zu unterstützen. Die Kirche wird sogar manchmal aufgefordert stärker gegenwärtig zu sein. Allerdings darf sie sich nicht in einem ausgehöhlten und angepassten Christentum präsentieren, denn dieses hat sein "Salz" verloren und unterstützt und legitimiert eher noch falsche Entwicklungen!

Würde man z.B. Irland verbindlich zusichern, daß auf dieses Land keinerlei Druck ausgeübt wird, Gesetze anzunehmen, die ihrem Selbstverständnis und ihrer Werteordnung widersprechen (man könnte hier den Begriff Gewissen verwenden), dann wäre man der Zustimmung der Iren sicher, denn die Iren haben eben nicht prinzipiell etwas gegen Europa.

Es ist schwer vorstellbar, dass ein solcher Gesundungsprozeß eines geistig-seelisch erkrankten Europas nun tatsächlich (schon) einsetzen könnte, obwohl man große Veränderungen nicht ausschließen kann, wie sie z.B. in den Jahren ab 1989 geschehen sind. Wäre es so, dann wäre das Nein der Iren mehr als heilsam gewesen! Dann wäre einer kleinen Minderheit, nämlich jenen, die aus einem christlichen Gewissen gehandelt haben, eine sichtbare prophetische Aufgabe für unseren Kontinent und darüber hinaus zugewachsen.

Vielmehr ist jedoch zu befürchten, daß ein solches Nein eine negative Bewertung erfährt und jener antichristliche Geist sich noch weiter ausbreitet, der die wahren Werte Europas aushöhlt, verleugnet und sogar ins Gegenteil verwandeln möchte.

Aber auch so gilt: das kleine Irland hat mit seinem Nein stellvertretend für jene gesprochen, die ihre Stimme nicht erheben können. Es hat mit dem Nein nicht Europa abgelehnt, wohl aber den Kurs, den die Politik eingeschlagen hat. Der Wohlstand ist nicht alles und ein echtes Gewissen läßt sich nicht kaufen!
Wenn ungeborene Kinder nicht mehr geschützt werden und willkommen sind, Gott mehr oder weniger aus dem öffentlichen Leben verdrängt wird, wenn Gesetzgebungen sich nicht mehr an tieferen und von Gott vorgegebenen Werten orientieren, dann wird es seelisch kalt in Europa und jenes Wort Jesus wahr, der sagte:“…daß in vielen die Liebe erkalten wird, weil die Missachtung von Gottes Geboten überhandnimmt!"(Mt. 24.12)

An all dies hat das Nein der Iren erinnert und ermutigt sich falschen Entwicklungen entgegenzustellen und Verantwortung zu übernehmen, auch wenn man nur eine "kleine Herde" ist. Nicht nur eine politische Wende im Osten Europas war nötig, sondern eine echte geistige Wende in ganz Europa ist von Nöten!

Ich jedenfalls, bin den Iren dankbar!

Elija, 15.Juni 2008, Vilnius




Antanas Maceina 1908-1989 - 04.07.2008

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