Hl.Jeanne d`Arc

Patronin Frankreichs

Hörspiel

"Zu Ehren der Hl.Jeanne d`Arc"

Das Hörspiel ”Zu Ehren der Heiligen Jeanne d`Arc” spielt in der Zeit des sog. Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich.
In drei Abschnitten wird das bewegte Leben dieser Heiligen und Heldin geschildert, die im Auftrag Gottes nachhaltig in die Geschichte Frankreichs und damit auch in die Geschichte Europas eingegriffen hatte.
Ihr Leben, ihr Leiden und ihr gewaltsamer Tod beschäftigten viele Menschen bis heute.
Für die einen ist sie eine engelsgleiche Heilige, für die anderen eine von Dämonen getriebene Hexe. Zwischen diesen beiden Sichtweisen gibt es viele Schattierungen.
Das Hörspiel versucht sowohl die geschichtlich gesicherten Daten zu verarbeiten, als auch dem übernatürlichen Charakter der Sendung der Jungfrau von Orleáns gerecht zu werden.
Der dritte Abschnitt, welcher vom Leiden und Sterben Jeanne d`Arcs handelt, wird durch einen Epilog ergänzt. In einem Interview mit dem Autor kommt die Motivation für die Erstellung des Hörspiels zur Sprache.

Hörspiel zum Anhören

Die Texte zum Hörspiel

Szene 1: Einleitendes Gespräch zwischen Großvater und Enkelin Jacqueline



Opa: Hör mal, mein liebes Mädchen, kannst Du etwa nicht schlafen?

Enkelin: Nein, ich weiß auch nicht warum. Aber wenn ich Dich sehe Opa, bekomme ich eine gute Idee!

Opa: So? Welche denn?

Enkelin: Wie wäre es, wenn Du mir eine Geschichte erzählen würdest?

Opa: Aber Schätzchen, dann wirst Du erst recht nicht schlafen können!

Enkelin: Das macht gar nichts, denn ich habe morgen nichts vor und muß auch nicht zur Schule! Ich würde mich riesig über eine richtig gute Geschichte freuen! Bitte Opa!

Opa: Was stellst Du Dir vor? Ein Märchen – wohl eher nicht, denke ich. Hm - eine Phantasiegeschichte oder vielleicht eine schöne Liebesgeschichte?

Enkelin: Nein, eher nicht! Etwas, was wirklich passiert ist! Eine echte Geschichte!

Opa: Hm, Du möchtest eine echte Geschichte. Ich hätte da einen Idee, aber diese Geschichte ist wirklich sehr anspruchsvoll.

Enkelin: Welche denn? Um was geht es denn?

Opa: Na ja, ich denke Du bist langsam alt genug, um so etwas zu verstehen!

Enkelin: Opa, jetzt machst Du mich aber mehr als neugierig! Um welche Geschichte handelt es sich denn? Opa, wenn Du mir jetzt nicht sofort sagst, um was es geht, dann schlafe ich überhaupt nicht mehr! Ganz bestimmt nicht!

Opa lächelt: Also gut! Es geht um die Geschichte der heiligen Jeanne d’Arc! Sie wird auch die Jungfrau von Orléans genannt! Hast Du schon einmal von ihr gehört?

Enkelin: Nee, nicht wirklich! Den Namen kenne ich schon und weiß, daß sie aus Frankreich kam! Mehr nicht!

Opa: Stimmt! Ich denke, Du wirst sie jetzt kennenlernen. Es ist eine der ungewöhnlichsten Geschichten, die je geschehen sind.

Enkelin: Ist sie wahr?

Opa: Gewiß! Vielleicht wirst Du manches jetzt noch nicht ganz verstehen, aber später wirst Du es dann begreifen und jetzt behältst Du es einfach in Erinnerung, ja?

Musik: Sarahmusic - Auszug aus „Jeanne d`Arc and the Warriors of Light“



Szene 2 und 3: Erzähler - Vorgeschichte und Dialog

Opa erzählt:

Also, unsere Heldin, Jeanne d’Arc, wurde am 6. Januar 1412 in einem kleinen Dorf in Domrémy geboren, das ist in Lothringen. Das Land Frankreich befand sich damals im sog. "Hundertjährigen Krieg" mit England. Dieser Krieg war schrecklich! Er verwüstete weite Gebiete und die Franzosen verloren eine Schlacht nach der anderen.

Enkelin: Opa, warum kämpften denn eigentlich die Engländer und die Franzosen?

Opa: Wie so oft in der Geschichte waren es Herrschaftsansprüche! Der letzte französische König, Karl der IV. aus dem Geschlecht der Karpetinger, hatte keine männlichen Nachkommen. Nach damaligem französischem Recht sollten die Nachkommen aus der männlichen Linie des Königs kommen. Deswegen erhob der Cousin des Königs, Philipp von Valois, Herrschaftsansprüche auf den Thron von Frankreich. Dagegen stellte sich aber der Neffe des Königs. Die Schwester des Königs war nach England verheiratet, mit dem dortigen König Eduard dem II. Dieser Neffe Eduard der III. sagte nun, daß er viel näher an der Nachfolge sei, als der Cousin des Königs. So entstand dieser blutige Konflikt.

Und da kam noch etwas hinzu: Es gab auch noch im Inneren Konflikte. König Karl VI., das ist übrigens der Vater des späteren Königs Karl VII. - den Namen kannst Du Dir schon mal merken - dieser Karl VI. litt unter einer Geisteskrankheit. Deswegen versuchten andere die Regentschaft zu übernehmen. Da war einmal der Louis von Orléans. Das war der jüngere Bruder. Auf der anderen Seite war es der Onkel, der hieß Philipp der Kühne zusammen mit seinem Sohn Johannes von Burgund. Sie stritten, die eine Partei gegen die andere, um die Macht!

Opa: Na, kommst Du noch mit?

Enkelin: Gerade noch so.

Opa: Dann paß auf, was weiter geschehen ist!

Also, Louis von Orléans - zur Erinnerung, das war der Bruder des Königs Karl VI. - der wurde nun im Auftrag des Johannes von Burgund ermordet. Jetzt kam es zu furchtbaren Parteikämpfen zwischen den Anhängern Orléans und den Gefolgsleuten der burgundischen Partei. Sie standen sich unversöhnlich gegenüber. Später sah es so aus, als ob dann Karl VII. - also der Sohn Karl des VI. - eine Versöhnung mit diesem Johannes von Burgund erreichen wollte, aber in Wirklichkeit wurde letzterer von den Gefolgsleuten Karl VII. ermordet!

Enkelin: Das ist ja schrecklich!

Opa: Ja, so geschah es leider oft, wenn es um die Macht ging!

Jetzt geht die Geschichte noch weiter.

Der Sohn und Nachfolger dieses ermordeten Johannes, Philipp von Burgund, wollte (nach diesem Mord) nichts mehr mit der Partei von Orléans zu tun haben, sondern er wandte sich sogar den Engländern zu. Und er war es, der einen Scheinfrieden zwischen England, Frankreich und Burgund im Jahre 1420 zu erreichen suchte, dem sogenannten Vertrag von Troyes! Man wollte Karl den VII. von der Erbfolge ausschließen und machte ihn für den Mord an dem Vater des Johannes von Burgund verantwortlich.

Da saß allerdings noch jemand dahinter, so kann man`s vermuten. Da gibt es eine Frau, nämlich die Frau des kranken König Karl VI. – Isabeau. Sie erklärte, daß ihr Sohn Karl nicht der richtige Sohn ihres Gatten sei und Du kannst Dir ja vorstellen, daß dies dann bei diesem Sohn eine Unsicherheit hinterließ, ob er ein legitimer Sohn seines Vaters und seiner Mutter war.

Dieser Karl VII. - zunächst nennen wir ihn Dauphin - er war aus französischer Sicht der rechtmäßige Thronerbe Frankreichs, aber lauter militärische Niederlagen hatten ihn geschwächt und er hatte fast alle seine Gebiete an die Engländer und die Burgunder verloren!

Enkelin: Opa, was ist ein Dau - Dauphin?

Opa: Dauphin nennt man denjenigen, der zum König bestimmt ist, also ein Thronerbe, der aber noch nicht offiziell gekrönt wurde.

Enkelin: Ah so und was machte dieser Dau – Dauphin?

Opa: Eigentlich konnte der Dauphin so gut wie nichts mehr machen, denn im Jahre 1427 wurde Orléans eingeschlossen und der Dauphin Charles schien schon bereit zu sein, diese Schlüsselstellung seines Restreiches aufzugeben, also sich in sein letztes ihm verbliebenes Gebiet zurückzuziehen und das hieße Frankreich England zu überlassen.

Enkelin: Und?

Opa: Jetzt, in diese aussichtslose Situation, Jaqueline, kommt Jeanne d`Arc.
Gott sendete sie, um Charles und Frankreich zu Hilfe zu eilen. Eine Mission, eine Aufgabe, von der man noch nie vorher gehört hatte! Einfach noch einmal klar machen: ein junges Mädchen von 17 übernahm von Gott eine derart ungewöhnliche Aufgabe, daß diese Geschichte von Jeanne d' Arc und Frankreich die Menschen bis heute beschäftigt: In vielen Filmen, in Hörspielen, in Büchern... fast ist nichts so gut dokumentiert wie diese Geschichte von Jeanne d`Arc.

Enkelin: Von Gott gesandt, echt?

Opa: Das hat sie selbst so gesagt!

Enkelin: Woher wußte sie das?

Opa: Nun, Jeanne bezeugte, daß Heilige des Himmels ihr erschienen sind, z.B. die Heilige Katharina von Alexandrien!





Szene 4: Domrémy - Jeanne mit der Hl. Katharina


Gesang:
Jehanne merkt auf und weiß, daß ihre Heiligen kommen.

Hl. Katharina: Jeanne!

Jeanne: Ja, meine Freundin Katharina!

Hl. Katharina: Du weißt ja, daß unser Herr Dich auf eine Aufgabe vorbereitet, die Du in seinem Auftrag erfüllen sollst.

Jeanne: Ja, und ich würde sie so gerne noch genauer kennen. Ich weiß, daß sie unser geliebtes Land und unseren König betrifft. Gerne würde ich helfen diese furchtbare Not zu lindern. Aber wie wird es geschehen? Was hat der Herr wohl genau vor?

Hl. Katharina: Du wirst es erfahren, wenn die Zeit ganz ausgereift ist. Aber ich sage Dir: es steht kurz bevor und Du kannst unserem Gott auf Knien danken, daß er sich Frankreichs erbarmen möchte.

Jeanne: Ja, unser Herr soll in allem verherrlicht werden.
Liebe Katharina, sag Du mir doch was ich denn tun kann! Mich drängt es so, etwas für unser armes Land und für den König zu tun und ich werde immer unruhiger! Jeden Tag wird es schlimmer und man hört über so viel Elend. Frankreich liegt am Boden und bald haben die Engländer auch noch den Rest von Frankreich an sich gerissen! Möge doch der Herr bald eingreifen!

Hl.Katharina: Das wird geschehen! Habe noch Geduld, meine Tochter, habe Geduld und Vertrauen. Alles steht unmittelbar bevor. So viel darf ich Dir sagen. Bete innig und voller Inbrunst und wende Dich auch an sie!

Jeanne: An sie?

Hl.Katharina: Ja an sie, zu der Du am Samstag immer Blumen trägst!

Jeanne: Ahh, Du meinst unsere geliebte Mutter Maria. Wie gerne tue ich das!

Katharina, meinst Du es sind nur noch wenige Tage oder gar Stunden bis der Herr mir genau sagt, was ich tun soll!

Hl.Katharina: Jeanne! Hab Geduld!

Wieder Gesang

Jeanne alleine: Sie hat ja recht und bisher hat sie mich so wunderbar geführt. Katharina ist mir eine echte Freundin geworden und Margaretha auch. Aber es fällt mir einfach nicht so leicht zu warten, obwohl ich doch weiß, daß unser Herr alleine den Zeitpunkt bestimmt. Was er wohl vor hat? Herr, rette das geliebte Frankreich und hilf dem armen König.

(Jehanne betet leise: Je vous salue Marie … )





Szene 5: Domrémy - Haus der Famile d´Arc

Jeannes Mutter: Jeanette!

Jeanne: Ja?

Jeannes Mutter: Bitte hilf mir schnell. Wir erwarten Gäste!

Jeanne: Wer kommt denn, Maman?

Jeannes Mutter: Ich weiß es nicht! Dein Vater hat nur gesagt, daß wir ein Gedeck mehr brauchen.

Jeanne: Vielleicht hören wir ja wieder etwas, wie es um Frankreich steht!

Jeannes Mutter: Was sollen denn für Nachrichten kommen, Jeanne? Sie sind doch derzeit allesamt schlecht. Nirgendwo gibt es auch nur einen Funken Hoffnung und unser Dauphin Charles scheint sich und unserem Land auch nicht helfen zu können. Vielleicht hat er schon allen Mut verloren!?
Wenn doch nur der Herr eingreifen würde! Aber Gott schweigt in diesen Jahren und läßt das Elend geschehen!

Jeanne (sehr lebhaft): Nein, Maman, Gott wird bald eingreifen. Schon sehr bald! Alles steht kurz bevor! Ganz gewiß!

Jeannes Mutter (verwundert): Woher willst Du das wissen, mein Kind?

Jeanne (etwas verlegen): Maman, das ist doch unsere Hoffnung, oder?

Jeannes Mutter: Ja schon, mein Kind, aber trotzdem: warum bist Du an diesem schrecklichen Thema so überaus interessiert. Gerade bist Du erst 17 und eigentlich beschäftigen sich die Mädchen in diesem Alter nicht mit dem Krieg!

Jeanne: Ja, Maman, aber ich liebe doch unser Frankreich so. Leidet es nicht schrecklich? Da muß sich doch Gott erbarmen!

Jeannes Mutter: Du hast ja recht, meine Tochter. Bitte ruhig unseren Herrn, daß er bald eingreift. Du bist ja oft und gerne im Gebet, Jeannette.

Jeanne: Ja Maman. Das werde ich gerne tun. Du kannst Dich darauf verlassen!



Szene 6: Jehanne allein – Domrémy, dann die Hl. Katharina

Jehanne: Puh, par mon Martin, das war knapp: „Jehanne, Du mußt vorsichtiger sein. Du weißt doch, daß Du noch mit niemand über all das sprechen darfst, was Du vom Herrn erfahren hast! Gott muß sich auf Dich verlassen können!“

Ich denke es steht kurz bevor. Wie froh bin ich, daß auch Katharina darüber gesprochen hat. Einerseits habe ich auch ein wenig Furcht, aber wenn mich mein Herr ruft ...

Es wird wohl ein richtiger Abschied sein hier vom Domrémy, wo ich aufgewachsen bin: von meinen Eltern, von meinen Geschwistern, von meinen Freundinnen, von der liebgewonnen Kirche (wird ein wenig traurig und hebt dann den Kopf). Aber wenn der Herr ruft für den König und für Frankreich, dann gehe ich!

Mein Leben hat sich geändert als damals der Engel zu mir kam. Nie werde ich seine Gestalt vergessen, auch wenn ich mich zunächst etwas fürchtete. Aber dann wäre ich doch am liebsten mit ihm gegangen. Wie dankbar bin ich Gott, den heiligen Erzengel Michael gesehen zu haben und wie er zu mir sprach - zu einem Mädchen mit 13 - so liebevoll und klar! Welche Freude! Und dann schickte er mir die zwei Jungfrauen, mich zu begleiten. Meinen Glauben sollte ich leben und die Wege des Herrn gehen! (hebt den Blick ein wenig) Ich hoffe, ich habe das auch getan, Du lieber Herr. Deine Jehanne möchte Dir wirklich aus ganzem Herzen dienen!

Gesang: Kommuniongesang der hl. Messe zu Ehren der hl. Jehanne d'Arc

Hl. Katharina:

Jehanne, es ist soweit. Gott hat sich Eurer Gebete erbarmt. Er wird nun eingreifen und Dein Land retten. Er wird es durch Dich tun, Tochter Gottes. Dafür hat er Dich die Jahre bereitet und nun wirst Du gesendet. Du mußt Dein Dorf verlassen und nach Frankreich gehen. Geh nun, Du geliebte Tochter Gottes. Geh’ zum Dauphin Charles nach Chinon, er soll in Reims zum König gesalbt werden. Zunächst aber brich zum Hauptmann Robert von Baudricourt nach Vaucouleurs auf, damit er Dir eine Eskorte gibt, die Dich zum Dauphin führt! Geh, Jehanne geh, die Zeit ist da! Vertraue in allem dem Herrn!


Szene 7: Dialog Großvater und Enkelin


Enkelin: Also mit dem Erzengel Michael und mit der Heiligen Katharina hat sie geredet. Das muß wirklich sehr schön sein. Mir ist das leider noch nicht passiert!

Opa: Mir auch nicht! Ich denke, es war eine besondere Gnade von Gott für Jehanne und diesen unvergleichlichen Auftrag. Ich habe Dir ja schon gesagt, daß es eine sehr ungewöhnliche Geschichte ist!

Enkelin: Wer war die andere Jungfrau, außer der Heiligen Katharina?

Opa: Es war die Heilige Margaretha. Übrigens sah Jehanne manchmal auch sehr viele Engel, die begleiteten den heiligen Erzengel Michael. Du erinnerst Dich, das war der Engel, den sie zuerst gesehen hatte, der zuerst mit ihr sprach. Aber meistens war es die Hl. Katharina.
Über den heilige Erzengel Michael kann man noch sagen, daß er der Patron von Frankreich ist, also der oberste Beschützer des Landes, wenn wir vom Himmel aus die Sache sehen. Von da aus gesehen ist es nicht fremd, daß gerade er sich im Auftrag Gottes an Jeanne wendet, denn diese sollte ja eine große Mission für das bedrängte Frankreich erfüllen!

Die Heilige Katharina hingegen war eine junge Märtyrerin und die hatte sich damals in ihrer Zeit in einer Diskussion gegen fünfzig heidnische Philosophen durchgesetzt. Sie wollten ihr den Glauben ausreden. Aber es kam dann anders. Sie nahmen den Glauben an, weil sie so wunderbar von ihr überzeugt wurden.

Übrigens waren die Statuen der heiligen Katharina und auch der Heiligen Margaretha in der Kirche zu Domrémy, wo Jeanne getauft wurde!

Enkelin: Gott wollte also durch Jeanne das Land retten. Aber wie, sie war doch erst 17, wenn ich es richtig verstanden habe.

Opa: Richtig! Aber Du weißt ja: Bei Gott ...

Enkelin: … ist nichts unmöglich!



Szene 8: Vaucouleurs, Jehanne, Ritter Jean und Bertrand

Opa: Unsere Jeanne zögerte nicht, die nächste Gelegenheit zu nutzen, die sich bot, um mit ihrem Auftrag zu beginnen. Sie hatte die Gelegenheit, mit ihrem Onkel Laxart nach Vaucoleurs zu reisen. Doch bei dem Hauptmann, zu dem sie gesendet war, fand sie zunächst kein Gehör. Er machte sich sogar über das Mädchen lustig – stell Dir vor und er wollte sie wieder mit ihrem Onkel nach Hause schicken. Doch er kannte nicht die Hartnäckigkeit Jeannes! Sie war durchaus nicht bereit, jetzt die begonnene Mission schon wieder abzubrechen. Dem Hauptmann gegenüber betonte sie immer wieder, daß sie vom Herrn des Himmels gesandt sei, um Charles zu Hilfe zu eilen, Orléans zu befreien und den Dauphin in Reims zum König salben zu lassen. Doch was sie auch sagte, der Hauptmann Beaudricourt ließ sich nicht überzeugen. Aber dann machte Jeanne eine Vorhersage: daß der König eine wichtige Schlacht verloren hatte. Als das sich dann bewahrheitete, fing der Hauptmann an umzudenken. Jetzt auf einmal merkte er: da ist irgendetwas anders. Und so bestimmte er die Ritter Jean de Metz und Bertrand zu ihren Begleitern auf dem Weg zum Dauphin Charles nach Chinon.

Am 23. Februar 1429 reitete Jeanne mit ihrer eigenen Leibwache los. Von den Bürgern von Vaucouleurs wurde sie ausgerüstet und sie legte nun Männerkleidung an.

Jehanne: Wenn ich Männerkleidung trage, werden die Männer weniger Begierde nach mir haben, und ich selbst werde meine Jungfräulichkeit in Gedanken und Handlungen auf diese Weise besser bewahren können.

So war es wirklich. Viele Zeugen berichteten später, daß von Jehanne eine ganz große Keuschheit ausgegangen war, so daß die Männer sie noch nicht einmal begehrten!

Jeanne beeindruckte die Menschen sehr tief! Zum Beispiel die sie begleitenden Ritter Jean und Bertrand.

Ritter Jean de Metz berichtete: Der Bertrand und ich, wir lagen jede Nacht ihr zur Seite. Und sie lag dann da in Wams und Hosen. Sie brachte mir eine solche Achtung bei, daß ich nie gewagt hätte, sie zu begehren.
Ich glaubte auch an die Worte der Jungfrau. Ich war begeistert von jedem ihrer Worte und von ihrer Gottesliebe. Ich glaubte auch, daß sie von Gott gesandt war! Sie ging so gerne zur Heiligen Messe, sie fluchte nie, und immer wenn sie schwören musste, hat sie ein Kreuzzeichen gemacht.

Ritter Bertrand bezeugt: Es war ein aufregender Ritt, aber Jeanne redete uns zu, wir sollte keine Angst haben, denn der edle Dauphin würde uns freundlich empfangen, gelangten wir erst nach Chinon! Und ich versichere Euch, ich war von ihren Worten ganz entflammt, denn wirklich schien sie mir von Gott gesendet; nie habe ich an ihr nur das geringste Übel sehen können. Sie war so gut wie eine Heilige ...
So kamen wir zusammen ohne großes Hindernis nach Chinon, wo der König sich aufhielt, der damals noch Dauphin war; dort war es, wo wir die Jungfrau den Edlen und den Gefolgsleuten des Königs vorstellten!

Opa: Nach elf Tages - oder Nachtritten - man reitete durch Feindesland - erreichte Jeanne mit ihren Begleitern Chinon und am 9. März 1429 wurde Jeanne zum Dauphin vorgelassen!

Szene 9: Chinon: Jehanne und der König, Erzähler, Bauer Simion und Bäuerin Zabilleth

Dauphin Charles: Wie ist Euer Name?

Jeanne: Edler Dauphin, ich bin Jeanne, die Jungfrau genannt. Der König des Himmels tut Euch durch mich kund, daß Ihr zu Reims gesalbt und gekrönt werdet. Ihr werdet der Statthalter des Himmelskönigs sein, welcher der Herr Frankreichs ist!

Dauphin: Vielleicht weißt Du, wie es um unser Land steht! Es dauert nicht mehr lange und die Engländer und Burgunder haben uns besiegt und das ganze Land wird unseren Feinden gehören.

Jeanne: Beim heiligen Erzengel Michael! Das soll nie geschehen, mein Dauphin. Es ist doch unser heiliges Frankreich und die Engländer sollen in ihr Land zurückkehren! Wenn sie es nicht freiwillig tun, par mon Martin, dann muß es mit Gewalt geschehen!

Charles (lacht ein wenig): Du bist sehr eifrig Jeanne, aber unsere Feinde werden nicht freiwillig gehen und mit Gewalt können wir sie nicht vertreiben. Das haben wir schon versucht und die meisten Schlachten verloren. Die Soldaten sind müde und haben keinen Mut mehr! Was soll sich daran ändern? Auch Du wirst es nicht ändern können!
Jeanne: Mein Dauphin, nicht ich kann es ändern, aber Gott will es so und er hat mich hierher gesandt, damit es geschieht. Es ist Gottes Wille, daß Ihr in Frankreich regiert und in Reims zum König gesalbt werdet. Glaubt mir und es wird geschehen!

Dauphin: Wie kann ich Dir glauben? Ich sehe Du hast ehrliche Augen und ich sehe darin ein Feuer. Auch höre ich, daß manche meinen, Du seist die verheißene Jungfrau aus Lothringen, die Frankreich befreien soll. Aber ist das genug?
Ich möchte ja gerne glauben, daß Gott eingreifen wird. Sicher sind viele Gebete zum Himmel gesandt worden, aber daß es durch Dich, ein so einfaches Mädchen, geschehen soll! Wer kann das wirklich glauben?

Jeanne: Ja, aber Gott will es durch ein einfaches Mädchen tun, damit ihm der ganze Ruhm gehört und jedermann weiß, daß Gott unser Land gerettet hat!

Dauphin: Das ist eine sehr kluge Antwort, Jeanne!

Jeanne (drängend): Sire, übergebt Euer Königtum unserem wahren Herrn Jesus und er wird es Euch als Lehen anvertrauen!

Dauphin: Jeanne, Du beginnst mich nachdenklich zu machen. Erzähle mir Deine Geschichte.

Opa: Und Jehanne erzählte nun von ihrem Elternhaus, sie streifte die Kindheit und was sie selbst aus Bescheidenheit nicht über sich sagte, das überlassen wir anderen Zeugen, deren Aussagen später über Jehanne niedergelegt wurde:

Zum Beispiel berichteten der Bauer Simion Musnier und die Bäurin Zabillet d’Epinal:

Simion Musnier: Ich bin mit Jeanne, die man die Jungfrau genannt hat, zusammen aufgewachsen. Ich wohnte in der Nähe von ihres Vaters Haus. Wirklich, ich weiß wie gut sie war, wie schlicht und fromm! Sie verehrte Gott und seine Heiligen. Sie ging oft und gern zur Kirche und zu den geweihten Orten, tröstete die Kranken und teilte mit den Armen; das konnte ich selbst erfahren: als ich klein war, ging es mir nicht gut, und Jeanne kam, um mich zu trösten...



Bäurin Zabillet : Jeanne hat sich gerne der Armen angenommen. Ja, sie schlief sogar lieber in der Küche, damit jene in ihrem Bett schlafen konnten.

Opa: Jeanne erzählte nun von der Zeit, als Gott immer mehr ihr Leben ergriff. Sie berichtete dem König von ihren Erscheinungen und wie die Heiligen immer deutlicher über ihre Mission sprachen, die sie nun nach Chinon geführt hatte. Der Dauphin hörte aufmerksam zu, er stellte Fragen, er erwog ihre oft sehr klugen Antworten und Jeanne vertraute ihm Botschaften ihrer Heiligen an, die nur für ihn bestimmt waren. Immer mehr merkte Charles, daß er es nicht etwa mit einer Närrin zu tun hatte und manches von dem, was Jehanne ihm sagte, konnte sie nur durch Gott erfahren haben.

Dauphin: Jeanne, Du beginnst mich zu überzeugen. Was Du sagst, klingt nicht versponnen. Vielleicht bist Du wirklich von Gott gesandt. Fast möchte ich es schon ganz und gar glauben. Doch ich muß sicher gehen. Ich kann mir nicht erlauben, leichtgläubig zu sein. Du mußt Dich erst einer Prüfung durch die Kirche unterziehen. Ich werde Dich nach Poitiers in das dortige Kloster schicken und das Urteil abwarten.

Opa: Jeanne war alles andere als begeistert von der Maßnahme Charles. Sie fürchtete wertvolle Zeit zu verlieren und fügte sich nur sehr widerwillig. Hatte sie doch Charles Dinge gesagt, die ihn hätten überzeugen müssen. Warum zögerte er? Es galt doch, angesichts der verzweifelten Lage sofort und entschlossen zu handeln. Es war doch Gott selbst, der auf der Seite Charles stand!

Drei Wochen dauerten die Prüfungen und die Prüfer stellten Jeanne ein sehr gutes Zeugnis aus, denn sie fanden nichts anderes als Demut, Jungfräulichkeit, Einfachheit, Ernsthaftigkeit …

Der Dauphin Charles vertraute sich nun ihr an und Jeanne konnte ihre Mission weiterführen!



Szene 10: Dialog Großvater und Enkelin



Enkelin: Du Opa, ich beginne die Jeanne schon ganz doll lieb zu haben!

Opa: Das verstehe ich nur zu gut. Wenn man Jeanne kennenlernt, gewinnt man sie lieb!

Enkelin: Sie hat also wirklich den König überzeugen können! Wie gut, daß er auf sie gehört hat. Aber Opa, sag mal, es ist vielleicht ein ganz dummer Gedanke…

Opa: Sag ihn ruhig:

Enkelin: Opa, wenn heute so jemand wie Jeanne kommen würde ...

Opa: Nein, mein Kind. Das ist überhaupt kein dummer Gedanke. Du hast ganz recht! Heute könnte man sich so etwas nicht denken, jedenfalls nicht in Frankreich. Eine Jeanne würde bestimmt nicht bis zum französischen Präsidenten gelangen!

Deine Frage zeigt jedoch etwas ganz Wichtiges! Auch wenn sicher manche Menschen damals Jeanne vielleicht für etwas, na sagen wir übertrieben oder übergeschnappt gehalten haben, hielt man es aber doch grundsätzlich für möglich, daß Gott in eine Situation eingreifen kann und jemand von ihm direkt gesendet werden konnte! Das Bewußtsein der Gegenwart Gottes war offensichtlich um diese Zeit sehr lebendig!

Gott sei Dank war das so, sonst hätte das ja nicht geschehen können, was dann geschah!

Immerhin fragte Jeanne nach Soldaten, um die Belagerung von Orléans durch die Engländer zu beenden. Das war auch damals mehr als ungewöhnlich.
Und wenn wir dann noch daran denken, daß Jeanne erst 17 war, sie konnte weder lesen noch schreiben, sie kannte das Kriegshandwerk nicht und, menschlich gesehen, waren keinerlei Voraussetzungen zu entdecken, daß sie ein solches Werk durchführen konnte.
Ehrlich Jaqueline, wenn ich von unserer heutigen Sicht aus auf diese Situation schaue, erscheint mir nicht nur das Kommen von Jeanne wie ein Wunder Gottes, sondern daß auch zu Beginn ihre Mission vom König angenommen wurde und die Kirche sie unterstützte!

Enkelin: Ja Opa, Du hast recht!







Szene 11: Orléans



Opa: Schon mit dem Beginn der Mission Jeannes hatte sich die Lage der Franzosen verändert. Man könnte sagen, es wehte wie ein "anderer Wind". Oder besser ausgedrückt: die Gegenwart der Jungfrau machte den Soldaten und allen die Verantwortung trugen, klar, daß Gott dabei war, durch dieses Mädchen in die Situation einzugreifen. Die Bevölkerung, die Soldaten, aber auch viele Offiziere und Offizielle faßten neuen Mut und sie glaubten an die Sendung von Jeanne.

Jeanne wollte aus dem nun ermutigten Heer der Franzosen ein "Gottesheer" machen, eines, welches im Bewusstsein für Gott und Frankreich streitet.

Enkelin: Wie kann sie das machen?

Opa: Zum Beispiel duldete Jeanne nicht, daß die Soldaten fluchten, sie führte sie zur Beichte und zu den Sakramenten, sie vertrieb die Dirnen. Priester begleiteten ihr Heer und sie feierten die Heilige Messe und es fanden Prozessionen statt. Als Schlachtgesang, stell Dir vor, wurde das Veni Creator Spiritus gesungen und immer wieder versicherte Jehanne, daß die Soldaten eine gerechte Sache im Sinne Gottes und Frankreichs vertreten und deshalb würden sie auch siegen.

Enkelin: Und die Soldaten waren damit einverstanden?

Opa: Sie waren genauso wie die beiden Ritter Jean und Betrand von ihrer Gegenwart so beeindruckt, daß sich sicher manche haben einfach mitreißen lassen und so konnte Gottes Gnade unter ihnen mächtig wirken!
Übrigens: Jeanne war nicht etwa auf den Krieg versessen, sie war nicht rachedurstig oder grausam, wie manche sagen. Sie wollte, daß die Engländer freiwillig nach England zurückkehren und gewährte ihnen in manchen späteren Kämpfen freien Abzug. Sie hatte auch Mitleid mit den sterbenden Engländer und betete für sie!

Jeannes Gegenwart war für die Menschen so überzeugend, daß viele Menschen sie wie einen Engel Gottes betrachteten.

Nichts tat sie ohne ihre himmlischen Ratgeber, die sie begleiteten. Sie wußte sich in ihrer Aufgabe sicher durch die Begleiter geführt und wußte auch, daß Engel sie in ihre zukünftigen Kämpfe begleiten und an ihrer Seite streiten würden.

Die Menschen merkten, daß sie es mit keiner Phantastin zu tun hatten. Weißt Du, Jeanne war zu bodenständig, zu echt, zu rein und zu aller Überraschung wußte sie, wie man Kriege zu führen hatte. Woher konnte sie denn das wissen, die weder lesen noch schreiben konnte?

Enkelin: Was ist bodenständig, Opa?

Opa: Das sagt man, wenn man ausdrücken will, daß die Person nicht versponnen ist und den Blick für die Realität nicht verloren hat!

Opa:

Jeannes erstes militärisches Ziel war Orléans, jene Stadt, die von den Engländern so gut wie eingenommen war und sie war der Schlüssel für einen fast vollständigen Triumph über Frankreich. Sie hatte vorausgesagt, daß sie Orléans befreien werde!

Für die Menschen in Orléans war es eine unvorstellbare Freude als Jeanne mit dem Heer in die Stadt einzog. Sie schöpften neue Hoffnung und viele nahmen an, daß sich nun eine alte Prophezeiung erfülle: "Frankreich werde durch eine Frau ins Verderben gestürzt und von einer Jungfrau aus Lothringen befreit”.

Für viele Menschen war Jeanne diese Jungfrau und die Bewohner Orléans hofften auf die Wende zum Besseren in ihrer verzweifelten Lage: Und ihre Hoffnung wurde nicht enttäuscht



Dialog 12: Großvater und Enkelin, Graf von Dunois, Erzähler

Enkelin: Opa, gell sie wußte von ihren Heiligen wie man einen Krieg führen muß?

Opa: Ja, das hast Du sehr gut verstanden. Sie bekam von ihren Heiligen den Rat, was sie zu tun hatte. Es kommt noch hinzu, daß sie wohl auch schnell begriff, also durchaus klug war. Aber das Wesentliche ist natürlich die unmittelbare Hilfe ihrer Heiligen in dieser Situation. Man muß verstehen, daß in diesem Fall Gott auf der Seite der Franzosen war und wollte, daß Frankreich französisch blieb und von einem französischen König regiert wird.

Enkelin: Und das auch durch einen Krieg?

Opa: In diesem Fall: ja! Es war ein Werk der Gerechtigkeit und hatte auch noch viele weitere Aspekte. Du weißt doch selbst aus der Bibel, daß Gott manchmal auch auf der Seite des Volkes Israel kämpfte!

Enkelin: Ja!

Opa: Übrigens – es sei nochmal daran erinnert - bevor Jeanne zu kämpfen begann hat sie den Engländern mitgeteilt, daß sie von Gott gesandt ist und das sie in ihr Land zurückkehren sollten. Alles hätte also auch, wenn die Engländer darauf gehört hätten, ohne Kampf und Blutvergießen geschehen können.

Enkelin: Und die Engländer? Haben sie ihr geglaubt?

Opa: Leider nein!
Ein Zeugnis des Grafen von Dunois, er war der Vertreter des Königs im Kriegsfall, Befehlshaber und mit der Verteidigungs Orléans beauftragt, dieses Zeugnis zeigt, wie Jeannes Gegenwart sich auf die ganze Situation auswirkte.

Graf von Dunois: Mir und anderen Hauptleuten schien es kaum möglich, Lebensmittel bis zur Stadt Orléans zu schaffen, da man über die entsprechenden Schiffe nicht verfügte und der Wind entgegengesetzt war.



Erzähler: Seine erste Begegnung mit der Jungfrau beschreibt der Graf so:

Graf von Dunois: Jeanne, die mit den Truppen an der Loire angekommen war sprach mich an:

Jeanne: Seid Ihr der Bastard von Orléans?

Dunois: Ich bin’s und ich bin froh über Eure Ankunft!

Jeanne: Seid Ihr es etwa, der geraten hat, mich an diesem Ufer ankommen zu lassen und nicht direkt dahin zu marschieren, wo Talbot und die anderen Engländer waren?

Dunois: Ich war es und andere, die klüger sind als ich, haben diesen Rat gegeben in dem Glauben, der Sicherheit der Unternehmung besser zu dienen.

Jeanne: Im Namen Gottes, der Rat von Gott unserm Herrn ist sicherer und klüger als der Eure. Ihr habt geglaubt, Ihr könntet mich täuschen. Ihr habt Euch selber getäuscht, denn ich bringe Euch bessere Hilfe, als je ein Hauptmann oder eine Stadt erhalten hat: die Hilfe des Königs im Himmel. Aber die Hilfe kommt nicht mir zuliebe, sondern weil Gott auf das Gebet des Heiligen Ludwig und des Heiligen Karl des Großen hin sich der Stadt Orléans erbarmt und nicht dulden will, daß sich die Feinde des Herrn von Orléans und seiner Stadt bemächtigen.

Opa: Unter der Führung Jeannes wurden die verschieden Bollwerke genommen. Zwar kämpfte Jeanne selbst nicht mit Waffen, aber sie war immer bei den Kämpfen dabei und stärkte die französischen Truppen durch ihre Anwesenheit. Wie sie es vorausgesagt hatte, wurde sie bei einem Angriff am 7. Mai verwundet, aber sie blieb trotzdem weiter im Kampf. Es sah so aus, nachdem von morgens bis abends gekämpft wurde, daß das Bollwerk nicht genommen werden konnte: Jeanne aber ging ein wenig zur Seite, sie betete, nahm dann ihr Banner und die Engländer begannen sich vor ihr zu fürchten. Die Franzosen nahmen dann auch dieses starke Bollwerk.
Am nächsten Morgen, am 8. Mai 1429, zogen die Engländer ab und Orléans war befreit!

Szene 13: Dialog - der Weg nach Reims, Großvater, Enkelin, Erzähler



Enkelin: Oh, Mann Opa: das ist ja kaum zu glauben. Jeanne muß ja unheimlich viel Mut gehabt haben!

Opa: Für ihren Auftrag schon. Da war sie unerschrocken und von den Engeln und ihren Heiligen gestärkt. Wir dürfen nicht vergessen, daß sie ja die Engel gesehen hatte, die mit ihr kämpften. Sie wußte, daß es nicht nur die französischen Soldaten waren, die da gegen die Engländer stritten.

Enkelin: Mann Opa, das macht die Sache ja noch spannender. Richtige Engel auf der Seite von Jeanne! Opa, kämpfen die Engel immer mit, wenn es Kriege gibt?

Opa: Schätzchen, da fragst Du mich zu viel! Vielleicht schon - auf ihre Art - wenn es wirklich um eine gerechte Sache geht. Jedenfalls war es bei Jeanne so.

Enkelin: Opa, gell Du glaubst das!!


Opa: Ja, mein Herz. Ich bin fest überzeugt, daß es so war und daß Jehanne sich nicht etwas eingebildet hatte oder im schlimmsten Fall sogar geisteskrank war.



Enkelin entrüstet: Opa, wer sagt denn so etwas!

Opa: Nun Menschen, die nicht glauben können, daß es Gott gibt oder ein solches Eingreifen Gottes für Phantasie halten, die kommen vielleicht zu solche Gedanken!

Enkelin: Aber es ist doch geschehen, was sie vorausgesagt hatte!

Opa: Und auch anderes was sie gesagt hatte. Aber weißt Du: man kann das vielleicht alles sehen und doch anders denken!

Enkelin: Echt?

Opa: Ja, aber besser wir wenden uns wieder Jeanne zu. Ihre Aufgabe war mit der Befreiung von Orléans nicht zu Ende!

Enkelin: Was kam dann?

Opa: Nun, der Dauphin Charles sollte ja zum König gekrönt werden und das sollte in Reims durchgeführt werden. Jeanne wollte das unbedingt, weil sie wußte, daß der König erst dann richtiger König wäre, wenn dies geschehen würde!

Enkelin: Warum das?

Opa: Auch das ist eine wunderbare Geschichte. Es wird erzählt, daß dem Heiligen Remigius von einer Taube ein kleines Fläschchen mit Öl gebracht wurde, als er den zum Christentum übergetretenen König Chlodwig taufen wollte. Seit dieser Zeit wurden alle Könige von Frankreich mit diesem Öl durch den Erzbischof der Stadt gesalbt!

Enkelin: Also, erst wenn das geschehen würde, wäre der König richtiger König in den Augen von Jeanne!

Opa: Genau, aber nicht nur in den Augen Jeannes, sondern auch der meisten Franzosen.

Enkelin: Deshalb also wollte Jeanne, daß der König nach Reims geht!

Opa: Ja, so ist es. Das war ein Teil ihres Auftrages, den sie von Gott bekommen hatte. Frankreich sollte vom richtigen König mit voller Anerkennung des Volkes regiert werden!

Enkelin: Und geschah dies?

Opa: Ja, es waren jedoch noch Hürden bis dahin zu nehmen, weil die Engländer noch nicht völlig besiegt waren. Sie hatten noch weitere Bollwerke und manche Städte hielten sie besetzt.
Aber Jeanne war nun mit ihrem mutigen Heer nicht mehr aufzuhalten. Sie erfochte große Siege zum Beispiel in Jargeau. Und besonders der Sieg bei Patay war wichig, weil nun das ganze Gebiet der Orléandais zurückerobert war.
Der Weg nach Reims war frei und alle Städte auf dem Weg dorthin, die noch unter englischer Besatzung waren, ergaben sich ohne Kampf!

Enkelin: Der König muß ja nun sehr froh gewesen sein!

Opa: Sicher ja, aber leider hatte er schlechte Ratgeber, die waren nicht wirklich bereit, sich den Weisungen von Jeanne unterzuordnen oder nur sehr widerwillig. Sie hatten wohl andere Interessen und versuchten ihren Einfluß auf den König auszuüben, was dann leider später auch gelang!

Enkelin: Später? Was geschah Opa? Sag!

Opa: Jetzt noch nicht, mein Herz!

Erfreuen wir uns zunächst daran, daß Charles VII. in diesem Zeitabschnitt auf Jeanne hörte und daß Gottes Wille geschah! Der Dauphin Charles wurde tatsächlich in Reims zum König gesalbt. Jeanne war unendlich glücklich. Es hatte sich erfüllt, was die Heiligen gesagt hatten und wozu sie gesandt wurde. Das wußte sie und ihr Herz war sicher übervoll von Dankbarkeit und Stolz. Sie durfte helfen, daß ihr geliebtes Frankreich nun einen rechtmäßigen König hatte, die Macht der Engländer geschwächt wurde und jeder gläubige königstreue Franzose wußte, daß dies ohne das Eingreifen Gottes durch Jeanne d´Arc nicht geschehen wäre! Das Volk liebte sie, besonders die Menschen aus Orléans.
Die Krönungszeremonie in Reims gehört zu den Sternstunden der Geschichte!

Enkelin (ein wenig bang): Aber Opa, ich höre aus Deinen Worten, daß dann nicht alles so gut weiterging!

Opa: Nein,Du hast schon recht, meine Jaqueline. Wer einen so großen Auftrag erfüllt, muß auch mit Feindschaft rechnen.

Enkelin: die Engländer?

Opa: Nicht nur: Aber weißt Du, das werden wir jetzt nicht mehr weiter betrachten. Halte jetzt in Deinem Gedächtnis und Herzen, daß Gott ein so großes Wunder tun konnte, weil Jeanne, die Jungfrau von Orléans, und auch andere auf ihn hörten und daß er ein junges Mädchen für dieses Werk erwählt hatte. Das ist doch etwas Großes! Nicht wahr?!

Enkelin: Ja, Opa, Du hast recht! Ich werde jetzt an Jeanne denken. Vielleicht wird sie meine Freundin!

Opa: Gewiß, mein Liebes, ganz gewiß! Gute Nacht!



Ende des ersten Teils des Hörspiels.